Der Dürerbund wurde am 1. Oktober 1902 in Dresden gegründet und war der führende Kulturreformverein im Deutschen Reich. Er hatte sich der ästhetischen Erziehung des Volkes verschrieben.

Der Literat Ferdinand Avenarius und der Kunsthistoriker Paul Schumann gründeten 1902 - vermutlich in der von ihnen seinerzeit gemeinsam bewohnten Villa in der Wachwitzer Straße - den Dürerbund. Sie wollten Leser und Sympathisanten der Zeitschrift Der Kunstwart in einer Institution vereinen. Der Dürerbund zählte neben Künstlern und Schriftstellern v. a. Lehrer und Geistliche, aber auch Vereine und Studenten zu seinen Mitgliedern. 1904 bzw. 1912 erreichten Kunstwart und Dürerbund mit 22.000 Abonnenten bzw. 300.000 Mitgliedern einen Höhepunkt. Bedeutende Persönlichkeiten wurden für eine Mitarbeit im Vorstand des Dürerbundes gewonnen, so Marie von Ebner-Eschenbach und Friedrich Naumann, Hofkapellmeister Ernst Edler von Schuch, Stadtbaurat Hans Erlwein, die Architekten der Gartenstadt Hellerau Richard Riemerschmid und Heinrich Tessenow, Karl Groß von der Kunstgewerbeschule und Oskar Seyffert vom Bund Heimatschutz.

Der Dürerbund vergab begehrte Gütesiegel für literarische Erzeugnisse, gab aber auch selbst eine große Anzahl von Schriften heraus. Allein die ab 1905 verlegten Flugschriften des Dürerbundes erreichten mit 250 Titeln eine Auflage von 2,8 Millionen Exemplaren. Das Jahrbuch Gesundbrunnen vom Dürerbund war seinerzeit der beste deutsche Kunstkalender und erschien in einer Auflage von 50.000 Stück.

Um den gestiegenen Bedarf an Arbeits-, Archiv- und Lagerräumen zu befriedigen, wurde 1910/1911 in Blasewitz, Bahnhofstraße 24, das Dürerbundhaus errichtet. Die Pläne dazu hatte Heinrich Tscharmann entworfen, der dem Deutschen Werkbund und dem Vorstand des Dürerbundes angehörte.

1912 gründete der Dürerbund in der Gartenstadt Hellerau die Gemeinnützige Vertriebsstelle deutscher Qualitätsarbeit, die von führenden Vertretern des Deutschen Werkbundes beraten wurde, sowie zwei Jahre später zusammen mit dem Werkbund die Dürerbund-Werkbund-Genossenschaft. Sie unterstützten damit eine ästhetische Produktgestaltung, die sie als wesentlichen Qualitätsbestandteil verstanden. Mit der objektiven Bewertung und Ausweisung der Qualität von Produkten in den Warenkatalogen bzw. Warenbüchern (1912, 1915) sind diese Einrichtungen als frühe Vorläufer der Stiftung Warentest anzusehen.

Nach dem Tod von Ferdinand Avenarius im Jahre 1923 übernahm Paul Schumann die Leitung des Dürerbundes. Sein Sohn Wolfgang Schumann, Avenarius' Stiefsohn, war offiziell 1. Schriftführer, hatte aber die intellektuelle Führung inne. Er versuchte, das ursprünglich lose Bündnis zu einem Lesering zu formen, d. h., den Dürerbund als Vertriebsorgan verschiedener Schriftenreihen zu etablieren. Sein hoch literarischer Anspruch, unüberlegte Kritiken an Heimatschützern, die zur traditionellen Klientel gehörten, und später zunehmende Linkslastigkeit beförderten einen schrittweisen Niedergang von Kunstwart und Dürerbund, beschleunigt durch wirtschaftliche Krisen und den Machtantritt der Nazis 1933. Nach dem Tod von Paul Schumann im Jahre 1927 übernahm der Maler Karl Hanusch die Leitung des Dürerbundes, den er am 21. Dezember 1935 auflöste.

Abbildung (oben) Schumann-Avenarius-Villa in der Wachwitzer Straße
Abbildung (Mitte): Dürerbundhaus in Blasewitz
Abbildung (unten): Der Jugend gewidmet vom Dürerbund: Hermann Häfker, Das Sternbilder-Buch, Ein Buch von Himmel und Weltanschauung, Verlag von Georg D.W.Callwey, München, 191 Seiten, sechs farbige Steindrucke, zwei Sternkarten und vier Zeichnungen von Kurt Fiedler

Rezension zum Sternbilder-Buch

Der Dürerbund beabsichtigte mit diesem anspruchsvoll gestalteten Buch (Preis: 12 Mark), "etwas von dem wertvollsten und unentbehrlichsten Geistesgut, das aus den Wehen der Gegenwart geboren wird, Allen im Volke in möglichst reifer und erfreulicher Form und zu einem möglichst uneigennützigen Preis zugänglich zu machen." Dies "...wird aufs erfreulichste unterstützt durch sechs farbige Bilder, die Kurt Fiedler – außer erläuternden Textzeichnungen und mehreren Sternkarten – beigesteuert hat. Sie erheben sich weit über den Durchschnitt des heute üblichen Illustrationswesens und legen ein Zeugnis ab von der phantasieentfesselnden Kraft der in dem Buche enthaltenen Ideenwelt. Der Künstler ist mit feinstem Empfinden auf die Absicht des Verfassers eingegangen und liefert den Beweis, daß es möglich ist, selbst die ehrwürdigen und unwandelbaren Linien der Sternbilder mit atmendem künstlerischen Leben zu erfüllen." Quelle: Dürerblatt, hrsg. vom Dürerbunde, 45. Blatt, Dezember 1926 (1. Schriftführer war Wolfgang Schumann)

Bildbeschreibung im Sternbilder-Buch

"Die Linien der Sternbilder sind auf den Karten angegeben, die üblichen, keineswegs ja schönen, Umrißzeichnungen aus älteren Atlanten leicht zu ersehen. So konnte der Künstler es wagen, ohne allzu enge Bindung an das herkömmliche, aber in freier Verwendung der in diesem Buche gegebenen Ideen, neue, eigene Wege zu suchen und in den Sternbildergruppen zum Teil ältere, aber ungewohnte Motive zu verwerten."