Heinrich Tscharmann (* 28. Dezember 1859 in Leipzig; † 22. Mai 1932 in Arnsdorf) war ein Architekt, Gartengestalter und Professor an der TH Dresden.

Tscharmann besuchte in Chemnitz die höhere Gewerbeschule und studierte in Dresden an der TH sowie in Berlin und in Leipzig bei Hugo Licht. Danach blieb er bis zum Ende des Jahrhunderts in Leipzig ansässig und erwarb sich mit der dekorativen Ausgestaltung von Ausstellungen einen Namen. 1897 entwarf er in Leipzig für die Industrieausstellung das Hauptwirtschaftsgebäude und die "Altstadt".

Als Mitarbeiter von Edmund Waldow in Dresden war Tscharmann in den Jahren 1900 bis 1904 für die künstlerische Oberleitung beim Bau des sächsischen Gesamtministeriums (heute die Sächsische Staatskanzlei) zuständig, das sie im Stile des Neobarocks gestalteten und mit Elementen des Klassizismus und des Jugendstils versahen. Dienstherr im neugebauten Ministerium war seinerzeit Viktor Alexander Otto.

Tscharmann gehörte zur Zeit der aufkommenden Heimatschutz- und Reformarchitektur zu den namhaftesten Autoren über Villen und Landhäuser, die er in einer gemeinsamen Firma mit Gustav Hänichen auch selbst baute. Für die Gartenstadt Hellerau entwarf er mehrere Haustypen. Zudem war Tscharmann 1906 an den Planungen der Außenbereiche von Dippoldiswalde beteiligt.

Spätestens 1907 erhielt Tscharmann den Titel "Professor" verliehen. Zusammen mit Hans Erlwein, William Lossow, Otto Gussmann und Fritz Schumacher gehörte er dem Vorstand der 1907 gegründeten Sächsischen Landesstelle für Kunstgewerbe an,

Tscharmann war Mitglied der Künstlervereinigungen Die Zunft und Deutscher Werkbund. Die Zunft war 1906 unter Führung von Stadtbaurat Hans Erlwein gegründet worden. Zum engeren Kreis zählte auch Fritz Schumacher, Professor für Architektur an der Technischen Hochschule Dresden. Die Zunft verstand sich im Geiste der III. Deutschen Kunstgewerbeausstellung als Vereinigung Dresdner Bildhauer, Architekten, Maler und Kunstgewerbler. Sie hatten sich der Entwicklung eines speziellen Dresdner Stils im Zusammenwirken der verschiedenen Kunstformen verschrieben. 1907 wurde in München der Deutsche Werkbund gegründet mit der Absicht "der Veredelung der gewerblichen Arbeit im Zusammenwirken von Kunst, Industrie und Handwerk". Der Werkbund war in den Folgejahren eng mit der Gartenstadt Hellerau verbunden. Zu den Mitgliedern, die den Gründungsaufruf unterzeichnet hatten, gehörten in Dresden aber auch die Werkstätten für deutschen Hausrat Theophil Müller und wiederum Fritz Schumacher. Bei der Gründungsveranstaltung verständigte man sich, dass als Gründungsmitglieder alle zählen, die früh beitreten. Darunter war auch Heinrich Tscharmann. Tscharmann gehörte zudem in Leipzig dem Deutschen Alpenverein an, in Dresden dem Sächsischen Altertumsverein. Als 1908 an der Kunstgewerbeschule der Landesverein Sächsischer Heimatschutz gegründet wurde, war Tscharmann dessen 2. Vorsitzender.

1908 erhielt Tscharmann ein Villa Romana-Stipendium, das jungen deutschen Künstlern einen längeren Aufenthalt  in Florenz ermöglichte. Die Jury stand unter dem Vorsitz von Fritz Schumacher. Tscharmann blieb aber nur drei Monate und überließ danach Ernst Barlach seinen Platz. Bis 1910 errichtete Tscharmann das Amtsgericht Kötzschenbroda.

Vielfältige Beziehungen bestanden zu Ferdinand Avenarius. Beide waren Mitglieder des Deutschen Werkbundes und Tscharmann gehörte dem Gesamtvorstand des von Avenarius geleiteten Dürerbundes an. Zudem hatte er schon 1908 in der Zeitschrift Der Kunstwart von Avenarius zur Städtebaukunst publiziert. So war es nur folgerichtig, dass Avenarius 1910/1911 Tscharmann mit dem Bau des Dürerbundhauses betraute.

1911 war Tscharmann an der Anlage und den Bauten für die I. Internationale Hygieneausstellung beteiligt. Bis 1918 wirkte er im Range eines Baurates im Hochbautechnischem Bureau des Finanzministeriums Er residerte damit in Sichtweite seines bedeutenden Baus, des sächsischen Gesamtministeriums.

Abbildung: Blick von der Brühlschen Terrasse auf das Finanzministerium (links), wo Tscharmann gearbeitet hat, und die Sächsische Staatskanzlei (rechts), an deren Errichtung er mitgewirkt hatte.

Anlässlich des Richtfestes des Dürerbundhauses hieß es am 19. Juli 1910 im Dresdner Anzeiger:

Im Gasthof zu Blasewitz fand am Sonnabend ein fröhliches Richtfest statt. Das Haus des Dürerbundes in der Bahnhofstraße war gehoben worden und auf dem stattlichen hohen Dach erhebt sich seit Sonnabend fröhlich das grüne Bäumchen. Um 5 Uhr fanden sich im Saale des Gasthofes an 50 Maurer und Zimmerleute nebst ihren Polieren, den planenden Architekten Baurat Prof. Tscharmann und Architekt Hänischen, sowie den ausführenden Baumeistern Luther und Scholz, dem Bauherrn Dr. Ferdinand Avenarius und einigen Gästen zusammen. Der Bauherr hieß die Arbeiter willkommen und erläuterte ihnen – unter Hinweis auf Schillers Wort: „Den schlechten Manne muß man verachten, der nie bedacht was er vollbringt“ – das Wesen des Dürerbundes, der auf allen Gebieten für ästhetische Kultur wirkt. Eine Tombola, Gesang und Tanz verschönten das Fest, das von gutem Einvernehmen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern ein gutes Zeugnis ablegte.

Das Dürerbundhaus von Heinrich Tscharmann: