Edmund Schuchardt (* 27. Januar 1889 in Leuben; † 10. September 1972 in Wachwitz) war ein von den Nazis verfolgter Architekt und Zeichner.

Schuchardt wurde als Sohn eines Böttchermeisters und Brunnenbauers geboren. Die Familie hatte 12 Kinder. Um 1910 besuchte er gemeinsam mit Hermann Glöckner und Kurt Fiedler die Abendschule an der Dresdner Kunstgewerbeschule, wo Kinder aus einfachen Verhältnissen auf eine künstlerische Laufbahn vorbereitet wurden. Lehrer waren hier u. a. Oskar Seyffert, Max Rade und dessen Sohn Carl Rade. Von 1912 bis 1917 war Schuchardt Meisterschüler bei William Lossow und Oskar Menzel an der Kunstgewerbeschule und von 1919 bis 1922 studierte er Architektur bei Heinrich Tessenow und Hans Poelzig an der Kunstakademie. Seine Lehrer gehörten zu den wichtigsten Vertretern des Deutschen Werkbundes in Dresden.

Edmund Schuchardt wohnte in den frühen 1920er Jahren in Rochwitz und danach zusammen mit seiner jüdischen Ehefrau Fanny (1900-1992, geb. Dubliner) und viele Jahre mit der Familie seines Schwagers Kurt Fiedler im Dürerbundhaus in Blasewitz. Er war Mitglied im Deutschen Werkbund und stand auch darüber hinaus mit bekannten Künstlerkollegen in Kontakt. So nahm er 1927 u. a. mit Otto Griebel und Theodor Rosenhauer an einer Künstlerfeier "Karikatur" an der Kunstakademie teil.

In Rockau schuf Schuchardt ein Denkmal zur Erinnerung an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges und in Wachwitz den Bebauungsplan für die Siedlung Hottenrothstraße, nach dem 1929 mehrere Einfamilien- und Doppelhäuser errichtet worden sind. Seine Zeichnungen, Landschaftsbilder und Architekturentwürfe wurden wiederholt auf Kunstausstellungen an der Brühlschen Terrasse gezeigt, beispielsweise 1922 Entwürfe für Hochhäuser, 1927 der Entwurf für den Wettbewerb "Hygiene-Museum", 1931 der Entwurf "Berghotel in der Umgebung Dresdens" und 1933 die Zeichnung "Trinitatiskirche". Als Innenarchitekt arbeitete er mit den Werkstätten für deutschen Hausrat Theophil Müller zusammen. Deren Katalog von 1930 enthielt viele von Schuchardt entworfene Möbel und Zimmereinrichtungen, beispielsweise Schlafzimmer und Herrenzimmer. Seine Innenraumgestaltungen präsentierte Schuchardt auch auf Ausstellungen des Sächsischen Kunstvereins. In den 1930er Jahren wohnte Theophil Müller einige Zeit in der Etage über Schuchardt und Kurt Fiedler im Dürerbundhaus.

Edmund Schuchardt ließ sich während des Faschismus nicht von seiner jüdischen Ehefrau scheiden. Sein Antrag auf Mitgliedschaft in der Reichskammer der bildenden Künste wurde deswegen abgelehnt, was einem Berufsverbot entsprach. 1938 bewarb er sich beim Royal Institute of British Architects um Arbeitshilfe. Schuchardt wurde am 9. November 1944 zur Zwangsarbeit in das Bergwerk Osterode deportiert, wo er im April 1945 durch die US-Armee befreit wurde. Nach der Zerstörung Dresdens während der Luftangriffe am 13./14. Februar 1945 blieb Fanny der für den 16. Februar angesetzte Transport ins KZ erspart. Das Ehepaar Schuchardt wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Opfer des Faschismus anerkannt. Die Schicksale von Fannys Mutter und Bruder, die ebenfalls in Dresden wohnten, sind ungeklärt.

Nach dem Krieg trat Schuchardt der KPD bei. Zur Kunstausstellung Sächsische Künstler 1946 wurden in der Sonderschau "Opfer des Faschismus" vier Zeichnungen von ihm gezeigt: "Winterlandschaft", "Lärchen", "Am Waldesrand" und "Elbelandschaft". An der Hochschule für Werkkunst Dresden erhielt er einen Lehrauftrag. Noch 1948 übertrug ihm der damalige Rektor Hans Grundig den Perspektivunterricht an der Akademie für Bildende Künste. Schuchardt wurde so Zeuge der Auseinandersetzungen um Mart Stam, die schließlich zu dessen Weggang aus Dresden führten. Bekannt geworden ist Schuchardt in der Nachkriegszeit vor allem für den Wiederaufbau der Totenhalle des Neuen Jüdischen Friedhofs an der Fiedlerstraße, die von 1950 bis 2001 als Synagoge genutzt wurde. Bei seinem Entwurf für das Äußere hielt er sich an das Vorbild von Gottfried Semper, die Innengestaltung erfolgte nach dem Zeitgeschmack.

Nach dem Zusammenschluss der Hochschule für Werkkunst im Jahre 1950 mit der Akademie für Bildende Künste zur Hochschule für Bildende Künste (HfBK) blieb Schuchardt dort noch drei Jahre im Lehramt für Werkstofflehre und Perspektive. Karl Hanusch, der an der Kunsthochschule ein Ehrenatelier besaß und den Schuchardt schon aus der Zeit im Dürerbundhaus kannte, porträtierte ihn 1956. Schuchardt war Mitglied im Bund Deutscher Architekten der DDR. Den Lebensabend verbrachte das Ehepaar Schuchardt in Wachwitz in einem selbstgebauten Landhaus, Ohlsche 2 (Zufahrt Schwenkstraße 5). Ihr Grab befindet sich auf dem Loschwitzer Friedhof.

Abbildung (oben): Denkmal von Edmund Schuchardt für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges in Rockau
Abbildung (Mitte): Jüdische Totenhalle in Johannstadt, 1950 von Schuchardt zur Synagoge umgebaut

Familien Edmund Schuchardt (links) und Kurt Fiedler (rechts) bei einer Familienfeier

Zur Ausstellung "Das Neue Dresden": Ist mit Eduard Schuchardt Edmund Schuchardt gemeint?

"Im Gegensatz hierzu will Eduard Schuchardt die ganze Innenstadt in Glaseisenarchitektur neu erstehen lassen trotz des durch die Zeitumstände bedingten Mangels an Glas und Eisen, der uns voraussichtlich noch auf lange Jahre hinaus zwingen wird, andere Wege der Baugestaltung zu wählen."

Neue Bauwelt 1946, Heft 9, Brief aus Dresden, Von Otto Schubert, Professor an der Technischen Hochschule Dresden, Dresden, 7. August 1946

Zeichnerisches Schaffen

Erinnerungen von Frank Fiedler (*1930)

Fanny Schuchardt hatte eine klassische Tanzausbildung absolviert und erteilte Tanzunterricht.

Frank Fiedler, ein Neffe Schuchardts, kann sich aus seiner Kinderzeit an Episoden aus dem alltäglichen Umfeld erinnern, wie Druck auch auf die nicht-jüdischen Ehepartner ausgeübt wurde: Neben der Abmeldung des Telefonanschlusses mussten die Schuchardts auch die Skier abgeben.

Fanny Schuchardt hielt sich nach dem 13. Februar 1945 mit vom Schwager Kurt Fiedler gefälschten Dokumenten bei einer Familie Zinner, Besitzer eines Lebensmittelgeschäfts, in einem Gartenhaus in Wachwitz versteckt.

Nach dem frühen Tod von Nanny und Kurt Fiedler erhielt Edmund Schuchardt für mehrere Jahre die Vormundschaft für Gert, den jüngsten Sohn der Familie.

Auch das Leben nach dem Krieg war für die Schuchardts konfliktträchtig. Aus der ihnen als Opfer des Faschismus zugewiesenen Wohnung wurde kurzfristig die Witwe eines SS-Offiziers mit kleinen Kindern vertrieben. Die Nachbarschaft einschließlich der Zinners solidarisierte sich mit der Frau.

Als Schuchardt an der Kunsthochschule im Rahmen von "Säuberungsaktionen" kaltgestellt werden sollte, wurde der Tagespresse die Information von einem vermeintlichen Schreibmaschinen-Diebstahl zugespielt (vor 1950).

Eine umfangreiche Zeichnungssammlung soll unter ungeklärten Umständen zur DDR-Zeit abhanden gekommen sein.

Die Schuchardts stifteten ihr Landhaus in Wachwitz der Hochschule für Bildende Künste, die es ihrerseits verkaufte.