Hans Zimmer (* um 1885) war ein Artist, Journalist und Besitzer eines Artistikunternehmens.

Hans Zimmer war in seiner Jugend selbst ein bekannter Artist. Später schrieb er als Journalist über Zirkus und Artistik.

Nach dem Machtantritt der Nazis wurde Zimmer vorübergehend durch die Gestapo inhaftiert, bekam danach aber eine Anstellung bei der Hochseil-Truppe von Camilio Mayer, weltbekannt als "Napoleon der Lüfte".  Der Star der Truppe, Camilla Mayer, hieß eigentlich Lotte Witte. In Atlantic City trat sie 1935 auf einem 53 Meter hohen Stahlmast freistehend auf, was damals Weltrekord bedeutete. 1936 verübten Unbekannte in Clacton-on-Sea ein Attentat auf sie, indem sie die Halteseile am Stahlmast ansägten. Zimmer war bei der Truppe zuerst als Arbeiter, später in leitender Stellung beschäftigt.

Zunehmend ging Zimmer zu Camilio Mayer auf Distanz. Nachdem Camilla 1940 in der Deutschlandhalle Berlin tödlich abgestürzt war, kam es zum Bruch. Camilio Mayer wurde in Stettin zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, war aber in jenem Jahr dann als Sanitäter am Frankreich-Feldzug beteiligt und gab auch ein Gastspiel beim Zirkus Sarrasani.

Zimmer führte Mayers Unternehmen unter dem Namen Camilla Mayer-Hochseiltruppe weiter. Sein neuer Star, Ruth Hempel aus Breslau, nannte sich Camilla Mayer II. In Breslau gründete Zimmer zudem eine Artistenschule mit zu Beginn 40 Schülern, deren Zahl aber im Verlauf der Kriegsjahre rasch sank. 1943 erhielt die Camilla Mayer-Truppe von den Nazis Auftrittsverbot. Zimmer war aus der Reichskulturkammer ausgeschlossen worden, was einem Berufsverbot gleichkam. Die NSDAP-Parteikanzlei lehnte seinen Antrag auf Wiederaufnahme ab. Der Beschluss erfolgte durch Walter Tießler, Reichsamtsleiter und Verbindungsmann zum Propagandaministerium von Joseph Goebbels. Maßgebend war auch die äußerst negative Stellungnahme der Fachschaft Schausteller unter Paul Damm. 

Vermutlich im Winter 1944/45, als den Breslauern die Flucht aus der zur "Festung" erklärten Stadt erlaubt wurde, kamen Zimmer, seine beiden Breslauer Schüler Siegward Bach und Gisela Lenort sowie einige Techniker nach Dresden, von wo sie nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wieder neu starteten. 1947 drehte Zimmer mit Ruth Hempel unter dem Regisseur Kurt Krigar den DEFA-Dokumentarfilm "Artisten unter den Wolken" über das Schicksal der verunglückten Camilla Mayer.

Die neue Camilla Mayer-Truppe erwarb sich wieder einen internationalen Ruf. Die Artisten verließen offenbar in jener Zeit die sowjetische Besatzungszone und ließen sich im Westen nieder. Zimmer hatte spektakuläre Ideen. An der Zugspitze ließ er 1948 über eine 1000 Meter tiefe Schlucht ein 130 Meter langes Hochseil bis zum Turmgebäude der Seilschwebebahn spannen. Das Seil wurde von der amerikanischen Militäradministration zur Verfügung gestellt. Den Seillauf bei schlechtem Wetter unternahm Siegward Bach, der dieses Spektakel wie Gisela Lenort bei späterer Gelegenheit wiederholte. Vielfach stellten die Künstler ihre Gagen für Lebensmittel für Kinder und die Arbeiterwohlfahrt zur Verfügung. Bei einem Auftritt in Dortmund verlobten sich 1948 Bach und Lenort auf dem Hochseil, was Erich Kästner in einer Satire thematisierte.

Mit Camilio Mayer begann ein Streit um Namensrechte. Der trat mit einer "Camilio-Mayer-Stratosphären-Schau" auf, wollte aber den Namen Camilla Mayer zurück. Auch seine Tochter, die wirkliche Camilla Mayer, prozessierte gegen Zimmer. Die juristischen Auseinandersetzungen brachten ihn in wirtschaftliche Schwierigkeiten. 1949 gab Zimmer den Firmennamen "Mayer" zurück. Das Ensemble wurde von einem französischen Promoter übernommen und trat mit dem "Radio-Circus" und anderen französischen Zirkus-Truppen bis in die frühen 1960er Jahre auf.

Camilla Mayer

Die eigentliche Camilla Mayer war eine Tochter des Leiters des Artisten-Ensembles Camilio Mayer (* 25. April 1890 in Mülhausen; † 21. Mai 1972 in Stedten an der Ilm).

Berühmtheit als Camilla Mayer erlangte vor allem Lotte Witte (* 1918 in Stettin; † 20. Januar 1940 in Berlin), die 1934 in das Ensemble eintrat und 1940 tödlich verunglückte. Witte war auch privat Partnerin von Mayer.

Als Camilla Mayer II wurden zwei Künstlerinnen bekannt. Dies hing mit der Trennung eines Teils des Ensembles um Hans Zimmer von Camilio Mayer zusammen. Unter Zimmer trat Ruth Hempel aus Breslau (später verheiratete Herold in Dortmund) als Camilla Mayer auf. Hempel war die biologische Mutter von Gipsy Bouglione-Gruss, die sie zur Adoption freigegeben hatte. In dem von Zimmer verkauften Ensemble erhielt Margarethe Zimmermann die Position der Camilla Mayer.

Bei Camilio Mayer war Ruth Barwinske (* 18. Februar 1926 in Breslau; † 28. Februar 2005 in Hassloch) Camilla Mayer II. Als Ehefrau von Alois Geryk (1947) schloss sie sich der Bob Gerry Truppe an. Camilio Mayer heiratete Annemarie Füldner (später in Weimar wohnhaft), die unter dem Namen Camilla Mayer III auftrat, teilweise zusammen mit dem Zirkus Sarrasani.

Gisela Lenort / Siegward Bach

Gisela Lenort (* 13. Juli 1929 in Breslau) und Siegward Bach (eigentlich Klotzbach, * 1929) kannten sich seit ihren Kindertagen. Nach einer Ausbildung bei Hans Zimmer in Breslau traten sie von 1945 bis 1949 in dessen Ensemble auf. Sie waren privat liiert und hatten wohl auch ein gemeinsames Kind. Nach der Auflösung von Zimmers Camilla Mayer-Truppe schloss sich Bach den Zugspitz-Artisten in München an. In dem 1950 für Lenort für Brasilien ausgestellten Visum sind ledig als Familienstand und Frankfurt/Main als Wohnort dokumentiert.