Sarrasani – die schönste Schau zweier Welten – nahm seinen Ursprung 1901 in Radebeul, wo sich der Clown Giovanni Sarrasani, mit bürgerlichem Namen Hans Stosch, im heutigen Sarrasani-Haus niederließ. Ein Jahr später fand die Zirkuspremiere in Meißen statt.

Auf der Suche nach einem Platz für einen stationären Zirkusbau wurde man in Dresden fündig. 1910 kaufte Sarrasani am Jägerhof über 5000 Quadratmeter. Mit dem Entwurf wurden die Architekten Alfred Pinagel, Erich Goebel und Adam Müller der Münchner Firma Heilmann & Max Littmann beauftragt, wobei der Entwurf durch Rohde & Beschoren aus Berlin nochmals überarbeitet werden musste. Am 22. Dezember 1912 eröffnete am Königin-Carola-Platz das Circus-Theater 5000 für fast 4000 Besucher. 1913 holte der Zirkusdirektor die erste Gruppe Sioux-Indianer nach Dresden. Sie wurden neben den Elefanten zum Markenzeichen von Sarrasani. Der Elefantenbrunnen in Wachwitz erinnert daran, dass die Elefanten während des Ersten Weltkrieges Transportleistungen für die Dresdner Bevölkerung übernahmen.

Nach vielen erfolgreichen Gastspielen im europäischen Ausland unternahm Sarrasani von 1923 bis 1925 seine erste Südamerikatournee. Sarrasani hatte nicht nur ein modernes Zirkuskonzept entwickelt, sondern startete auch innovative Werbekampagnen. So wurden Abenteuerhefte Fahrten und Abenteuer sowie Mit Sarrasani in Südamerika in vielen Folgen und millionenfacher Auflage verlegt. Eine Vielzahl der Titel wurde von Kurt Fiedler illustriert.

Insgesamt hatte der Zirkus Sarrasani um 1926 etwa 400 Tiere, darunter 250 Pferde, 100 Raubtiere und 27 Elefanten, und er war ein multikulturelles Unternehmen. Neben Deutschen und anderen Europäern sowie den Sioux waren es Chinesen, Japaner, Marokkaner und Vertreter vieler anderer Nationen unter den insgesamt etwa 800 Mitarbeitern, die den Ruhm des Zirkus Sarrasani begründeten. Zwei neue Riesenzelte fassten jeweils mehr als 10000 Besucher, und der Zirkus übernahm die sächsischen Landesfarben grün-weiß.

Sarrasani beschäftigte auch nach 1933 seine jüdischen Angestellten weiter und wurde zum Ziel faschistischer Verleumdungen. Der Seniorchef verstarb auf der zweiten Südamerikareise (1934-1936). Ihm folgte sein Sohn Hans Stosch-Sarrasani jun., der den Zirkus aus wirtschaftlichen Gründen verkleinern und teilen musste. Nach seinem Tod im Jahre 1941 übernahm dessen Witwe, Trude Stosch-Sarrasani, die Leitung. Weil sie sich von den Nazis nicht gleichschalten ließ, kam sie ins Gefängnis Münchner Platz. Der Zirkus gab seine letzte Vorstellung am 13. Februar 1945, als die Bomberverbände bereits im Anflug waren. Die Vorstellung wurde abgebrochen, das Zirkustheater zerstört. Lediglich die Sarrasanistraße und ein 2007 aufgestellter kleiner Brunnen erinnern heute am alten Standort an Sarrasani. Ehemalige Mitarbeiter gründeten nach Kriegsende in der Schauburg das Dresdner Volksvarieté.

1948 gründete Trude Stosch-Sarrasani den argentinischen Sarrasani, der den Rang eines Nationalzirkus erhielt und bis 1972 bestand. Der deutsche Sarrasani wurde von Fritz Mey 1956 in der Bundesrepublik wiedergegründet. Die kinderlos gebliebene Trude Stosch-Sarrasani adoptierte 1976 dessen Lebenspartnerin Ingrid Wimmer und sicherte so den Fortbestand des Familienunternehmens. Ingrid Stosch-Sarrasani übernahm 1980 dessen Leitung. Zu DDR-Zeiten war Sarrasani ungeliebt. Erst 1987 konnte Ernst Günther mithilfe des Kulturbundes im Haus Hoflößnitz die "Sonderausstellung Sarrasani - von Radebeul in die Welt" organisieren, die 20000 Besucher faszinierte.

1990 kehrte Sarrasani nach Dresden zurück. 2009 verstarb die Prinzipalin Trude Stosch-Sarrasani. André Sarrasani, Sohn von Fritz Mey und Ingrid Stosch-Sarrasani, leitet das Unternehmen seit 2000 und führt diese Dresdner Tradition als Varieté weiter. Seine Dinnershow im Trocadero-Sarrasani-Theater verbindet Magie, Artistik und Comedy.

Abbildung (1,3): Mit Sarrasani in Südamerika - Hefttitel von Kurt Fiedler
Abbildung (2,4,5): Fahrten und Abenteuer - Hefttitel von Kurt Fiedler

Circus-Theater 5000

Mit Sarrasani in Südamerika

Anlässlich seines 30-jährigen Jubiläums 1931 gab der Zirkus als Teil einer großangelegten Werbekampagne u. a. eine Erinnerungsmappe heraus, darin auch Hefte der Reihe Mit Sarrasani in Südamerika mit Titelillustrationen von Kurt Fiedler. Sarrasani hatte nach seiner ersten Südamerikareise zunächst drei Hefte reich bebildert und großformatig drucken und für Werbezwecke verteilen lassen. Der Erfolg war so groß, dass weitere vier Hefte und mehrere Nachauflagen folgten.

Fahrten und Abenteuer

Mit Fahrten und Abenteuer lehnte sich der Zirkusdirektor Hans Stosch-Sarrasani sen. bewusst an den "Amerikanischen Traum" an und präsentierte sich als "Self made man". Allerdings hatte er die beschriebenen fernen Gegenden bis auf Südamerika nie wirklich selbst bereist – und die Hefte auch nicht selbst geschrieben. Die erste Serie aus 80 Heften war 1923 innerhalb eines Vierteljahres entstanden und in zwei Heften pro Woche erschienen; der Illustrator ist unbekannt. Der Vertrieb erfolgte sowohl über Freiverkauf und Abonnement (verlegt im Mignon-Verlag Dresden), als auch als kostenlose Werbebeilage in Zeitungen (Sarrasani-Verlag) und direkt an Schulen. Aufgrund des großen Erfolges erschienen die Hefte in vielen Auflagen – insgesamt wurden im Erscheinungszeitraum vermutlich über 10 Millionen Exemplare abgesetzt.

Von 1923 bis 1925 unternahm Stosch-Sarrasani seine erste Südamerikareise. Sie lieferte Ideen für weitere Hefte. Ab ca. 1926 sind die Fahrten und Abenteuer in einer zweiten Serie mit etwa 100 Heften, auf 16 Seiten reduziert, dafür in etwas größerem Format und mit den neuen Titelillustrationen von Kurt Fiedler, herausgegeben worden. Man findet auch heute noch viele Exemplare in den Antiquariaten – in der Mehrzahl aber aus der ersten Serie, also ohne das Signum von Kurt Fiedler. Dies ist vermutlich dadurch zu erklären, dass in den späten 1920er Jahren die Auflage zurückging, als die Fahrten und Abenteuer im Zusammenhang mit dem "Gesetz zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften" des Deutschen Reichstags vom 18.12.1926 in die Kritik der Behörden gerieten. Ihnen wurde nachgesagt, keine wertvollen Inhalte zu vermitteln, sogar jugendgefährdend zu sein. Vor allem der Arzt und bekannte Schriftsteller Dr. Alfred Döblin verteidigte die fabulierenden Geschichten, weil sie "harmlos und sittenrein, dabei aber spannend und abenteuerreich geschrieben" seien. Als Kompromiss nach einer gerichtlichen Auseinandersetzung verzichtete Stosch-Sarrasani auf die Wiederauflage einzelner Exemplare und korrigierte andere.